Vonovia setzt auf multisensorische Rauchmelder. Die verletzen möglicherweise Persönlichkeitsrechte und kosten für Mieter.
Manchmal ist es nötig, alte Geräte zu ersetzen. Gerade bei Rauchmeldern muss die Funktion gegeben sein. Doch Vonovia lässt inzwischen Modelle verbauen, die mehr können: Sie sammeln auch Daten über die Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Dies verstößt möglicherweise nicht nur gegen Datenschutzvorgaben, sondern kann auch eine erhöhte Miete bedeuten. Vermieter sind verpflichtet, Rauchmelder durch neue zu ersetzen. Eine solche Instandhaltung ist gesetzlich geregelt. Würde die Maßnahme aber einen erhöhten Wohnwert bedeuten, ist das eine Modernisierung, für die der Mieter über eine Mieterhöhung aufkommen muss, wenn der Vermieter dies verlangt. Die Frage, ob die neuen Rauchmelder mit Zusatzfunktionen eine Modernisierung sein können, liegt inzwischen bei mehreren Amtsgerichten. Die ersten Urteile dazu sind unterschiedlich ausgefallen. Mieter haben dem Mieterbund OWL nun einen ersten Fall in Bielefeld mitgeteilt, bei dem der Wohnungskonzern einen solchen multisenorischen Rauchmelder hat verbauen lassen. »Es könnte nun auch in Ostwestfalen verbreitet losgehen«, sagt Sarah Nagel, Geschäftsführerin des Mieterbund OWL. Allein in Bielefeld hat Vonovia einen Bestand von rund 4.500 Mietwohnungen. Offenbar ruft Vonovia in anderen Bundesländern drei bis vier Euro im Monat zusätzlich für diesen Typ neuer Rauchmelder auf. Auf Dauer dürften die über die Mieter generierten Einnahmen die Investitionskosten überschreiten. Vonovia, bundesweit mit einem Bestand von über einer halben Million Wohnungen, kauft diese beim Dienstleister Echtem ein.
Dass die Geräte gegen Persönlichkeitsrechte verstoßen, kritisieren der Mieterbund OWL und auf Landesebene der Deutsche Mieterbund NRW. Die Daten gehen per Funk an Echem. Mieter, die über ein Smartphone verfügen und sich die Vonovia-App installieren, können diese für ihre Wohnung sehen. Bei Vonovia werden auch Daten landen, ist zu vermuten, personalisiert je Wohnung wäre dies allerdings unzulässig. Aus der Menge an Daten könnte Vonovia Schlüsse ziehen. Vonovia wirbt damit, dass Mietern geholfen wird, Energie zu sparen und Schimmel zu vermeiden. Indirekt, ohne vermittelten Bezug zu den Sensordaten, kann das für Mieter dennoch Folgen haben: Die Daten geben Anhaltspunkte etwa darüber, ob eine Wohnung falsch beheizt wird oder überbelegt ist. Falls Mieter sich weigern, die neuen Rauchmeldermodelle installieren zu lassen, macht der Riesenkonzern Druck. »Meist folgen dann Drohungen mit einer Duldungsklage«, berichtet Max Fuhrmann vom Mieterbund NRW.
Der Deutsche Mieterbund NRW, zu dem der Mieterbund OWL gehört, fordert Vonovia auf, die neuen Geräte nicht mehr zu verbauen und stattdessen herkömmliche Rauchmelder zu nutzen. »Dass Vonovia bereits zurückgerudert ist und die Geräte nach eigener Aussage so ausliefert, dass die Zusatzfunktionen deaktiviert sind, reicht uns nicht«, ergänzt Max Fuhrmann. Die eigene Wohnung sei ein rechtlich besonders schützenswerter Raum und müsse dies auch bleiben.


